Modulometer

Elektronische Musik von : Sohrab Badeei, Gabriel Bramböck, Yuheng Chen, Dominik Förtsch,
Noëmi Haffner, Sanghyun Hong, Evgeny Ignashev, Seo Yoon Jang, In-Gi Kim, Hsuan-Hsuan Lee
Leon Liang Marius Malanetchi, Julius Meisse, Michael Pinkas, Felix Pöchhacker, Ti-An San,
Johanna Schlömicher, Miguel Segura Sogorb.

Samstag 16. Mai 2020 19:00h (7pm Central European Summer Time)

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Modulometer

Die Werke dieses Abends sind in Form von Computerprogrammen in Pure Data komponiert
oder mittels CDP und Reaper realisiert worden.

Alle Künstlerinnen und Künstler studieren an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Programm

Ingi Kim - Unfamiliar Beauty (3min55, Puredata)
"Im Stück werden verschiedene Aufnahmen von Vogelstimmen verwendet, zum Beispiel von Pirol, Turmfalke oder Zwergohreule. Zusammen mit diesen Aufnahmen treten Sinustöne in unterschiedlichen Frequenzen als Melodie auf. Dazu werden weiters Wasserfall- und Windgeräusche durch gefiltertes weißes Rauschen generiert. Der Titel "Unfamiliar Beauty" beschreibt die Schönheit, die aus dem Zusammenspiel von natürlichen Klängen und künstlichen Klängen entstehen kann. Das Werk besteht aus drei Teilen, die jeweils mit einem Diminuendo enden und durch kurze Pausen unterteilt sind. Genießen Sie einfach die Harmonie dieser Musik in aller Ruhe."

Noëmi Haffner - Tofu (7min10, Puredata)
"Tofu ist ein Stück, das hauptsächlich durch das Kreieren von Loops und durch die Veränderung der Abspiel-Geschwindigkeit von Audiodateien gestaltet ist. Es wurden die mitgeschnittenen Versuche oder auch Kommentare von bereits existierenden Aufnahmen verwendet, die es nicht in das Endprodukt geschafft haben oder einfach auf dem Band gelandet sind. Warum 'Tofu'? 'Das schmeckt ja nicht jedem. Man muss es gut kochen und WÜRZEN…oder einfach bestellen! Nun mit Nüssen oder ohne? Nein, mit Szechuan-Sauce! Schmeckt’s jetzt?'"

Hsuan-Hsuan Lee - Du musst mich nicht verstehen (6min45, CDP und Reaper)
"Dieses Stück basiert auf rückwärts abgespielten Beckenklängen, weil ich in meinem nächsten Leben rückwärts leben will."

Evgeny Ignashev - needless needles (4min30, Puredata)
"an electronic generative composition exploring high-frequency intervals and difference tones using custom-designed micro-detuned voices. Due to the generative nature of the piece, it will sound different each time you play it, so play it multiple times according to the situation and the mood. Enjoy responsibly. The composition uses 3 core custom-designed voices. Each one has a basic frequency and 16 sub-voices micro-detuned (in the range of 0.0001 Hz to 1 Hz) against the main frequency of the oscillator. In addition it has 3 sub-oscillators generating low-frequency related to one of the main high-frequency voices, and a special spatialisation cross-relative filtering section widening the spatial effect. "

Felix Pöchhacker - ludwig van and the struggle for relief (3min, Puredata)
"Wir sollten alle aufhören, Yoga zu machen um effizienter zu sein. Wir sollten alle mehr Zeit haben und in Ruhe gute Sachen machen. Ich tue nichts von den oben genannten Dingen."

-kurze Pause-

Seo Yoon Jang - Monday Blues (3min10, Puredata)
"Ich wollte in diesem Stück eine langweilige Morgenroutine ausdrücken. Deswegen habe ich drei verschiedene Weisen verwendet um die Hauptelemente darzustellen: Sonnenstrahlen, Eile, Weg zur Arbeit. Ich hoffe, dass die Zuhörer sich durch dieses Stück 'Monday Blues' vorstellen können und daran erinnert werden."

Sang Hyun Hong - In Seoul (7min10, CDP und Reaper)
"I wanted to talk about the bad things that are still happening somewhere. In fact, everyone seems to be living a calm life, but somewhere many people are going through tragedy. I tried to express my thoughts of what is important to humanity in this piece.
Dialog:
Person 1: Did you see the news?
Person 2: I didn't see the news and I don't want to see it in the future.
P 1: Why?
P 2: Even if someone dies, nobody cares. And somewhere people still point guns at each other and someone is still at war somewhere. Ongoing ...
P 1: That's right, I think something's weird ...
P 2: I think something is going the wrong way. The world ..."

Hsuan-Hsuan Lee - Fluffy (3min10, Puredata)
"Inspiriert von Harry Potter, Fluffy ist der dreiköpfige gefährliche Wachhund, an dem niemand vorbeikommt. Er kann sehr wild sein, aber hat eine Schwäche - wenn man ihm Musik vorspielte, schlief er sofort ein. In diesem Stück ist er eingeschlafen. Er träumt und schnarcht."

Marius Malanetchi - White Rain (4min30, Puredata)
"In meinem Stück 'White Rain' habe ich versucht reale mit Computer-Klängen zu kombinieren. Mein Ziel war es, daß die Zuhörer zwischen natürlichen und künstlichen Klänge nicht gut unterscheiden können."

Michael Pinkas - Menuett alla Lully (5min20, CDP und Reaper)
"Die rhythmische Studie 'Menuet alla Lully' beschäftigt sich mit Percussion-Sound im Sinne des abstrakten Tanzes und führt in die barocke Tanzszene ein. Die Choreografie des Tanzes und die Anordnung der Tänzer im Verhältnis zueinander im Raum werden in einem akustischen Raum übertragen."

-kurze Pause-

Ti-An San - Traumerinnerung (3min10, Puredata)
"Als Traumerinnerung bezeichnet man die Fähigkeit, sich nach dem Aufwachen an Träume und deren Inhalte zu erinnern. Ich beschreibe die Situation und den Charakter der Erinnerungen an Trauminhalte in dieser Arbeit. Erinnerungen an Trauminhalte sind meist chaotisch und zeigen sie wieder und wieder nur als Fragmente. Zwischen Traum und Realität besteht eine Kommunikation. Träume fühlen sich real an, während wir in ihnen sind. Erst wenn wir aufwachen, stellen wir fest, dass etwas wirklich seltsam war..."

Sanghyun Hong - 99% (3min20, Puredata)
"Die Idee zu diesem Stück wurde von Peter Eötvös' Violinkonzert 'DO RE MI' inspiriert. Die H-Note wollte mit der C-Note gelöst werden, wird aber bis zum Ende nicht gelöst. Deshalb habe ich den Titel '99%' gewählt. In der Mitte des Stückes wird kurz Mahlers Melodie aus dem vierten Satz der fünften Symphonie verwendet."

Ingi Kim - Bewegung (5min46, CDP und Reaper)
"Im Stück 'Bewegung' verwende ich im Computer modifizierte Aufnahmen von Altsaxophon und Klavier. Das Werk enthält verschiedene Bewegungen, zum Beispiel Tonhöhenbewegung durch glissandierte Motive, Bewegung im Stereopanorama, Lautstärkebewegung, rhythmische Bewegung, Klangfarbenbewegung durch Filter und Nachhall. In verschiedenen Kombinationen dieser Bewegungen entwickelt sich das Stück, wobei ich die Fragmente des Saxophons gegen ein sich ständig bewegendes Klaviermotiv gesetzt habe. Das Werk besteht aus 3 Teilen, der erste und dritte Teil endet mit einer großen Steigerung. Die Aufnahme des Altsaxophon habe ich von meinem Schulfreund Gunhee Cho erhalten. Ich empfehle einen Kopfhörer zu tragen um diese Bewegungen bestmöglich wahrnehmen zu können."

Yuheng Chen - Delivering Cargo (7min38, SuperCollider und Reaper)
"Der Titel stammt aus Hideo Kojimas neuem Computerspiel 'Death Stranding" für PS4. Die Verwendung eines Soundtracks innerhalb des Spiels ist sehr selten. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Soundeffekten. Das gesamte Design des Computerspiels hat mich persönlich sehr berührt und diese Erfahrung möchte ich auch in meine Komposition zur Geltung bringen. Ich habe hierfür keine Klänge aus den Computerspiel verwendet, sondern diese mit SuperCollider synthetisiert und mit Reaper bearbeitet. Mein Stück habe ich als einen Soundtrack zu einem Video aus 'Death Stranding' komponiert."

Julius Meisse - Scheinangriff (4min10, Puredata)

-kurze Pause-

Johanna Schlömicher - Geduld (2min56, Mitschnitt einer Live-Performance in Pure Data)
"Die alltägliche Lethargie hält Einzug. Ein Warten. Ein aus dem Fenster starren. Ein Wahrnehmen. Bewusst werden Klänge in die Länge gezogen. Auf die maximale Geduld des Zuhörers wird gesetzt. Die einleitenden Worte aus Samuel Becketts 'Warten auf Godot' halten Einzug in den Klang."

Sohrab Badeei - Breaking Gradually (3min20, Puredata)
"In diesem Stück habe ich mit der Zwölftontechnik gearbeitet. Ich habe eine kurze Melodie geschrieben, dazu gibt es eine rhythmische Bewegung und schließlich einen Cluster Akkord. Benutzt habe ich selbst eingespielte Klaviertöne und außerdem die Klänge der Tastatur. Die Struktur der Musik besteht aus sich verdichtenden und steigernden Klängen, die dann von einem Cluster Akkord durchbrochen werden."

Michael Pinkas - Nähmaschinenmusik (3min17, Puredata)
"Die Komposition wurde als Reaktion auf eine Situation geschaffen, in der die Schutzmaskenpflicht in der Tschechischen Republik eingeführt wurde. Da die Masken nicht verfügbar waren, begannen die Leute, sie zu Hause auf Nähmaschinen zu nähen. Das mechanische Geräusch der Nähmaschine ist daher ein Schlüsselelement dieser Komposition. Dieser Klang ist von Anfang an nicht vollständig erkennbar, sondern tritt hervor, als Reaktion auf die Schwebungen, die aus der statischen Klangfläche entstanden, so wie Nähmaschinen zu dieser Zeit das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens erreicht haben. Der Klang ist erst in der Mitte der Komposition gut erkennbar, wo ein Duett von Nähmaschinen zu hören ist. Bald jedoch lässt dieser mechanische Schall nach und ein ruhiger und statischer Schallstrom aus der Obertonreihe tritt in den Vordergrund."

Dominik Förtsch - DUST (10min22, Zusammenschnitt einer Live-Performance)
static variation.
hazy whirr. distorted flutter.
shimmering.
dust.
"DUST is a Pure Data instrument, controlled via Gametrak (a position tracking device for video games). It contains mainly a varying sequencer and a drum machine. I tried to create an instrument basically learnable by everyone. Because it is an instrument, no performance sounds the same."

-kurze Pause-

Marius Malanetchi - Kaffeemaschine (5min34, CDP und Reaper)
"In meinem Stück habe ich Klänge, die von meiner Kaffeemaschine erzeugt wurden, verwendet. Das Stück heißt Kaffeemaschine aber nicht nur wegen den ursprünglichen Klängen. Der Kaffee - etwas organisches, lebendiges - steht im Kontrast mit der Machine, die ein mechanischer Gegenstand ist, der eine konkrete Aufgabe durchführt. Ich habe in meinem Stück mit dem Kontrast lebendig-maschinenartig gespielt, und über die Verwendung von leblosen Gegenständen in unserem Alltag nachgedacht."

Yuheng Chen - NOSTALGIA DRIVE (3min05, Puredata)
"Nostalgie, ein Nachdenken über eine vergangene Zeit. Es ist auch ein Drang, eine vergangene Zeit wieder aufleben zu lassen. Es ist unweigerlich von Traurigkeit gefärbt, aber es ist auch ein Nervenkitzel. Doch jede Wiederherstellung der Vergangenheit wird die Geschichte nur weiter voranbringen. Es ist auch diese Traurigkeit und Freude, die mich dazu bringt, weiter durch die Nostalgie fahren (drive) zu wollen."

Gabriel Bramböck - Sequenzstudie 1 (4min04, Puredata)
"ist ein langsames Stück, welches kontinuierliche Prozesse auf unterschiedlichen Mikroebenen und Makroebenen abbildet."

Leon Liang - Birdsong (3min50, Puredata)
"In der Nähe meines Heimatorts in China gibt es einen Nationalpark namens 'Vogelparadies' (Englisch: Birds’ Paradise), der für den Reichtum seiner Vogelpopulation bekannt ist. Meinen Eltern zufolge war das Vogelparadies früher besonders schön, wenn der Park zur goldenen Stunde mit Schwärmen tag- und nachtaktiver Vögel gefüllt war. Als ich vor einigen Monaten den Park besuchte, hatte sich jedoch viel verändert: Aus menschlichen oder sonstigen Gründen war die Vogelpopulation so stark zurückgegangen, das kaum noch ein Vogelgesang zu hören war, und als Folge davon gab es nur noch sehr wenige Touristen und der Nationalpark war zu einem verlassenen Relikt eines einstmals geschäftigen Wahrzeichens verkommen. In diesem Stück versuche ich diese Veränderung musikalisch darzustellen. Ich verwende eine Aufnahme der Vögel vor meinem Schlafzimmer, sowie Soundfiles eines Motivs H-B-D-D-Es, eine Art musikalischer Schreibweise des englischen Wortes 'birds', und seiner Transformationen (Umkehrung, Krebs und Krebsumkehrung). Die Soundfiles des Motivs habe ich elektronisch mit Klavier- und Flötenklängen gemacht."

Miguel Segura Sogorb - Prolog zum Kollabs (5min30, Puredata)
"In meinen Stück habe ich ein zentrales Instrument ausschließlich mit Granularsynthese und Amplitudenmodulation aufgebaut, dessen Parameter durch begrenzte Aleatorik gesteuert werden. Dazu treten Nebeninstrumente mit melodischen Rollen (unter anderem filtriertes Rauschen) auf. Der Titel stellt bereits eine Frage: Wessen Kollaps? Der von Sternen, von Menschen, oder von Menschen geprägten Systemen? Jeder kann sich selbst entscheiden."